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Marcel Odenbach - Neue Sonderedition
235 MEDIA Sonderedition Marcel OdenbachDie Distanz zwischen mir und meinen Verlusten 1983 / 2005,
Neue restaurierte Fassung
DVD 10:15 min., Holzbox (16,5 x 12,9 x 9,9 cm, BHT)
mit Zungenstrecker
Limitiert auf 15 Exemplare
signiert und nummeriert, 1.200,00 EUR
Marcel Odenbach
DIE DISTANZ ZWISCHEN MIR UND MEINEN VERLUSTEN, 1983 / 2005
Die Distanz zwischen mir und meinen Verlusten entstand 1983 und gehört zu den herausragenden Arbeiten im videokünstlerischen Werk von Marcel Odenbach. Sie wurde 1984 gleich mit zwei bedeutenden Preisen ausgezeichnet: dem ersten Marler Videokunstpreis und dem ersten Jurypreis des 5. internationalen Videoart Festival Locarno.
Mit der für ihn charakteristischen audiovisuellen Montagetechnik collagiert Odenbach in dieser Videoarbeit Found Footage Film- und Fernsehbilder, selbst gedrehtes Videomaterial, Texttafeln und Musik und arrangiert die einzelnen Fragmente zu einem völlig neuen poetisch-narrativen Zusammenhang.
Ein schwarzer, konsequent über die Bilder gelegter Rahmen, der ständig Position, Ausrichtung und Größe ändert, beschränkt und fokussiert gleichzeitig das Blickfeld des Betrachters. Mit der Distanz zwischen mir und meinen Verlusten Marcel Odenbach lotet die gestalterischen Möglichkeiten der frühen Video- und Schnitttechnik aus und entwirft eine formal klare audiovisuelle Ästhetik, die inhaltlich jedoch ein höchst assoziatives, dicht verwobenes und zunächst rätselhaftes Erzählmuster entstehen lässt.
Musikalisch gerahmt und rhythmisch strukturiert wird die Bildebene durch eine Toncollage aus Franz Schuberts Vertonung von Goethes Ballade vom Erlkönig und afrikanischen Trommelrhythmen der Burundi.
Marcel Odenbach verknüpft die vielfältigen und scheinbar zusammenhanglosen Fragmente von Bild, Text und Musik mit Hilfe eines antithetischen Montagestils. Dabei verschmelzen die verschiedenen Ebenen von Bild und Ton keineswegs zu einem harmonischen Ganzen, sondern bilden vielmehr Synergie und Opposition zugleich. Auf diese Weise erweitert Odenbach das komplexe semantische Verweissystem, mit dem er arbeitet und eröffnet dem Betrachter ein vielschichtiges Feld an Assoziationen. Der inhaltliche Zusammenhang der einzelnen Szenen erschließt sich erst allmählich. Wie beim Blick durch eine Art Bewegtbild-Kaleidoskop entsteht in Marcel Odenbachs Video Die Distanz zwischen mir und meinen Verlusten vor dem Auge des Betrachters ein emotionsgeladener wie kontroverser und humorvoll-ironischer Bilderreigen. Thema der Videoarbeit ist die Entwicklung einer eigenen, individuellen Identität, die einerseits von persönlicher Geschichte und Erfahrung geprägt ist, sich aber gleichzeitig immer auch vor dem Hintergrund historischer Ereignisse, Kultur und Moralvorstellungen vollzieht. Rollen und Identifikationsmuster werden dabei teilweise frei gewählt, teilweise aber auch gesellschaftlich vorgegeben. Verweise auf extreme Verhaltensweisen und abgründige Persönlichkeiten wie den Massenmörder Peter Kuerten, bringen darüber hinaus die Frage nach individueller wie gesellschaftlicher Verantwortung für die Entwicklung des Menschen ins Spiel. In einem Emanzipationsprozess, der schmerzvoll und erlösend zugleich ist, distanziert sich das Selbst dabei zunehmend von elterlichen oder bürgerlichen oder religiösen Rückbindungen und bewältigt die Dämonen der Vergangenheit, um zu einer selbstbestimmten Identität zu finden.
Sandra Thomas
English Text:









