Ich_ist_etwas_anderes




Ich ist etwas Anderes - Kunst am Ende des 20. Jahrhunderts

Wie der Titel des Projekts ICH IST ETWAS ANDERES - KUNST AM ENDE DES 20.JAHRHUNDERTS bereits andeutet, wurden hierfür Werke von 50 zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern aus den vergangenen 35 Jahren ausgewählt. D.h. Gemälde, Skulpturen, Objekte, Fotografien, Videoarbeiten und Installationen in denen das Problem des Individuums, des Subjekts, des Ich bzw. der Identität thematisiert wird.

Zur Vorgeschichte: Die allgemeine Verfügbarkeit der Videotechnik, insbesondere der ersten tragbaren Videorecorder, führte Anfang der siebziger Jahre zu einem regelrechten Boom von künstlerischen Experimenten mit diesem neuen Medium. Doch nutzten viele Künstler und vor allem Künstlerinnen die Videotechnik zunächst ausschließlich als Dokumentationsmedium für Aktionen und Performances, die noch stark von der Fluxus-Bewegung beeinflusst wurden. Die neue künstlerische Aussageform wurde mit dem lange Zeit sehr umstrittenen Begriff »Videokunst« versehen und stand in der Tradition von Happening, Aktion und Décollage. Die Videokünstler der ersten Stunde stellten Zumutungen und Absurditäten zur Diskussion, indem alltägliche Vorgänge aus ihrem Zusammenhang genommen und dadurch gewohnte Verhaltensweisen und festgelegte Codierungen von ihrem Kontext isoliert exponiert wurden. Häufig dokumentierten die frühen Videoarbeiten Aktionen, in denen die Erforschung der eigenen Identität eng mit körperlichen Grenzerfahrungen verbunden war.

Wie kaum ein anderes Medium hat Video nicht nur den Wahrnehmungshorizont verändert, sondern auch zahllose praktische, im wörtlichen Sinne „Selbst“-Versuche angeregt. In keiner anderen medialen Aussageform trat der Künstler als Objekt, Modell oder Protagonist so häufig in Erscheinung wie in der Videokunst. Damit war das Video auf ambivalente Weise mit der Inszenierung von Körperlichkeit verknüpft. Die Diskrepanz zwischen dem nichtkörperlichen - weil elektronischen - Wesen des Mediums und der Betonung sinnlich-körperlicher Wahrnehmung wurde zu einem wesentlichen Merkmal der Videokunst. Die Untersuchung der Beziehung zwischen Körperbild, Selbst und Identität zog sich in den darauf folgenden Jahren als roter Faden durch die Genealogie der Videokunst.

English Text:

As the title ICH IST ETWAS ANDERES – KUNST AM ENDE DES 20. JAHRHUNDERTS (“Me is something else—Art at the end of the 20th century”) suggests, works by 50 contemporary artists from the last 35 years were selected for this exhibition, that is, images, sculptures, objects, photographs, video works and installations dealing with question of the individual, of the subject, of the ego and of identity.

The background: The general availability of video technology, especially of the first portable video recorders, led to a real boom of art experiments with this new medium in the early 1970s. But many artists, especially female ones, first used the video technology exclusively as a means of documentation for their activities and performances that were still strongly influenced by the Fluxus movement. The new way artistic expression termed “video art”, however, remained controversial for a long time and owed much to the tradition of happening, activities and décollage. The pioneers of video art would present impretinences and absurdities by by taking everyday actions out of their context, thus exposing well-known behaviours and fixed codes in isolation. Often, the early video works document actions where the investigation of the own identity was closely connected to physical borderline experiences.

Like hardly any other medium, video has not only changed the horizons of perception, but also initiated various practical self-attempts. In no other form of media statement, the artist was present so often as object, model or protagonist as in the video art. In this way, video was connected in an ambivalent manner to the staging of corporeality. The discrepancy between the non-corporeal—electronic—essence of the medium and the emphasis on sensual-physical perception became a main characteristic of video art. The examination of the relationship between the body image, the self and identity became a typical feature of the genealogy of video art in the following years.