Our Projects



Jill Scott
Beyond Hierarchy
Jill Scotts große Rauminstallation besteht aus zwei interaktiven Sektionen. Die Künstlerin nutzt dabei die repräsentative Architektur der Steigerhalle der Zeche Zollern II/IV als Projektionsfläche für insgesamt sieben Videoprojektionen.Die erste Sektion weist dem Betrachter eine Beobachterrolle zu, aus der heraus er die Möglichkeit hat, in eine Art Dialog mit sechs unterschiedlichen Personen – drei Männern und drei Frauen – zu treten, die einen repräsentativen Querschnitt durch die Industriearbeiterschaft des Ruhrgebiets vom Anfang des Jahrhunderts bis in die Gegenwart darstellen.
Die sechs Charaktere sind fiktive Persönlichkeiten, die nach intensiven Archivstudien, Auswertungen mündlicher Überlieferungen und Interviews von Jill Scott kreiert wurden.
Die Personen arbeiten in unterschiedlichen Industriezweigen, allen gemeinsam ist jedoch eine reflektierte Sicht auf ihre Arbeits- und Lebenssituation. Der Besucher kann mit Hilfe von sechs elektronischen Schnittstellen – speziell konstruierte, mit Computersteuerungen ausgestattete Stühle – die Geschichten der sechs Personen individuell erkunden. Die Computersteuerung ermöglicht die Auswahl und Abfolge der Themen, über die die Charaktere berichten. Der Besucher wird, indem er alle sechs Lebensgeschichten verfolgt, Zeuge der sich im Laufe der Zeit wandelnden industriellen Arbeitssituation, dies jedoch nicht durch die Vermittlung reiner Fakten und Zahlen, sondern durch intime Einblicke in das Leben der Arbeiter.
Die Videobilder werden auf die Innenseiten der abgedunkelten großen Rundbogenfenster der Steigerhalle projiziert, so dass die Lebensgeschichten der Arbeiter mit der historischen Architektur der Zeche verschmelzen.
Die zweite Sektion von BEYOND HIERARCHY besteht aus einer Videoprojektion auf dem Fenster gegenüber dem Eingang der Steigerhalle und einem Interface, das von zwei Personen gleichzeitig bedient werden muss, um die Projektion zu starten. Dabei müssen sich die zwei Besucher durch die beiden Öffnungen des kastenförmigen Interfaces wie bei einem Handschlag – Metapher für Solidarität – die Hände reichen. Dadurch wird die Projektion von dokumentarischem („objektivem“) Filmmaterial ausgelöst, das Protest- und Solidaritätsaktionen der Arbeiterbewegung zeigt und das sich mit Bildern von – ebenfalls fiktiven – Arbeitern abwechselt, die das Gezeigte aus ihrer persönlichen Sicht dokumentieren.
Jill Scott nutzt die elektronischen Medien als Instrumentarium zur geschichtlichen Aufarbeitung, wobei sie dem Besucher durch die subjektive Berichterstattung der „Zeitzeugen“ eine Sichtweise bietet, die eine Identifikation mit der Geschichte auf einer sehr persönlichen Ebene ermöglicht.
English Text:
Jill Scott’s large spatial installation consists of two interactive sections. The artist uses the representative architecture of the Zollern ll/lV mine’s “Steigerhalle” hall as a projection surface for seven video projections.
In the first section, visitors are assigned the role of observers, out of which they are given the opportunity to enter in a sort of dialogue with six different persons—three men and three women—representing the industrial workers of the Ruhr area from the beginning of the 20th century to the present.
The six characters are fictional personalities modelled by Jill Scott to the results of intense archive studies, oral tradition and interviews.
The individuals work in different industrial branches; yet, they have in common a reflected view on their work and living situation. With the help of six electronic interfaces—custom-made computer-controlled chairs—, visitors can explore the history of each of the six persons. The control system allows the selection and order of subjects that the characters talk about. By following the whole of the six life stories, visitors become witnesses of the changing work situations; however, this is not achieved by merely imparting facts and figures, but by intimate insights in the worker’s lives.
The video images are projected onto the insides of the big blinded arched windows of the “Steigerhalle” hall, merging the workers’ life stories of the workers into the architecture of the mine.
The second section of BEYOND HIERARCHY consists of a video projection on the window opposite the entrance of the “Steigerhalle” hall and an interface that needs to be operated by two simultaneously to start the projection. The two visitors are required to shake hands —a metaphor for solidarity—through both openings of the box-shaped interface. This triggers the projection of documentary (“objective”) film material showing acts of protest and solidarity of the labour movement interspersed with images of equally fictitious labourers who comment the footage from their personal point-of-view.
Jill Scott uses the electronic media as an instrument to digest history, offering the audience the subjective reports of fictitious “witnesses” to create a point-of-view allowing for an identification with the past on a very personal level. a view on history.









